Ganz schön Wax

Wir haben alle bereits von Wachsverfälschungen gehört, gelesen, oder diese bei unseren Bienen selber erleben müssen. KollegInnen und Kollegen ziehen gegen Wachsverarbeiter juristisch ins Feld, diese wehren sich mit Gegenklagen.

Unbestritten ist, dass seit einigen Jahren Wachsverfälschungen in größerem Stil auftauchen, und nicht nur ärgerlich sind, sondern auch unsere Völker gefährden können. Leider wurde das Vertrauen in Markt und Lieferanten massiv erschüttert, so dass viele Imker über Alternativen nachdenken.

Grundsätzlich ist es sicher das Beste, einen eigenen Wachskreislauf zu haben, und eigene Mittelwände selbst zu gießen. Das mag mühsam und zeitaufwändig sein, und man kann seine Völkeranzahl nicht schnell beliebig vergrößern.
Andererseits gibt es bereits Erwerbsimker, die aufgrund der Wachsproblematik in größerem Stil auf Kunststoffwände umgestellt haben, da sie sonst nicht mehr produzieren könnten.

Es geht nicht darum, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Der Imker, der über kein großes Labor verfügt, braucht Information. Ich beschreibe hier 2 Stoffe, mit denen Wachs bereits verfälscht wurde. Ein kurzer Überblick über einfache Hilfen, wie man als Imker mögliche Verfälschung erkennen kann.

Die Proben, die man selbst durchführen kann, werden unten nachstehend erklärt. Alle diese Proben geben einen Hinweis auf mögliche Verfälschungen. Einen definitiven Beweis liefert schließlich eine Gaschromatographie durch ein Labor.

Paraffin

Es handelt sich um ein Abfallprodukt aus der Erdölindustrie. Es ist grundsätzlich weicher als echtes Bienenwachs. Wichtiges Kriterium ist der Schmelzpunkt bei ca. 52°C. Außerdem entstehen beim Abbrennen Rußpartikel, die entsprechend anders riechen als beim Abbrennen von echten Bienenwachskerzen.

Proben: Schnittprobe, Kreideprobe, Knetprobe, Erhitzungsprobe.

Stearin

Ist ein Gemisch aus Stearin- und Palmitinsäure, das aus den entsprechenden Triglyceriden (pflanzliche und tierische Fette und Öle) durch Verseifung und Ansäuern der Seifenlauge gewonnen wird. Es wird unter anderem für Seifen und Kerzenherstellung verwendet.

Stearin hat einen Schmelzpunkt von etwa 62°C bis 80°C, damit höher als Bienenwachs. Bedingt durch tierische Fette kann es auch andere Rückstände enthalten.

Proben: Der Wassertest ist eine sehr einfache und gute Möglichkeit. Bei diesem wird die Wachsprobe für 48 Stunden in ein Wasserbad bei 37 °C gestellt (bei Zimmertemperatur funktioniert es auch) und anschließend abgetupft und an der Luft getrocknet.
Bereits im Wasserbad zeigt sich im Fall von Stearinverunreinigung ein grauweißer Schleier, der nach dem trocknen zu einer weißen Belagsschicht wird, die sich nicht abwaschen lässt.

Die Versuchsanordnung lässt sich im Internet in Bienen &Natur 09/2017, durchgeführt von Dr. Franz Neumann, Tierärztliches Amt Aulendorf, Deutschland sehr gut nachvollziehen.

Weiters kommen noch die Knetprobe, und die Erhitzungsprobe in Frage.

Probenbeschreibung:

Erhitzungsprobe: Etwas Wachs erhitzen. Sollte beim Verbrennen einen angenehmen Geruch haben.

Kreideprobe: Ein Kreidestrich sollte auf dem Wachs bleiben.

Knetprobe: Ein Erbsengroßes Stück ca. 10 min. kneten. Sollte nicht am Finger kleben. Sollte beim auseinanderreißen kurz abreißen, darf beim auseinanderziehen nicht glänzen.

Schnittprobe: Die Schnittprobe sollte klebrig sein, nicht das Messer.

 

Robert Kranzler

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